Barnaul ist eine lichtdurchflutete, freundliche, mittelgroße Stadt am Ob-Fluss mit etwa 632.000 Einwohner. Sie liegt 2.934 Kilometer von Moskau entfernt und ist ein Transitknotenpunkt für diejenigen, die zu den Bergresorts in Belokuricha, der Stadt Bijsk oder in das Altai-Gebirge anreisen.


Zur Geschichte

Die Geburtsstunde von Barnaul ist Anfang des 18. Jahrhunderts, im Jahre 1730. Der Ort beim Zusammenfluss vom Barnaulka Fluss in den Ob wurde einst vom Uraler Bergbauindustriellen Akinfej Demidow für eine Silberveredelungsfabrik und andere Werkstätten ausgewählt. Bald aber wurde die Produktion von Silber privaten Unternehmern verboten, so dass Demidow sein Unternehmen verlor. Die nächste Entwicklungsstufe war mit dem Kaufmannswesen verbunden.

Den Stadtbesuchern stehen zahlreiche Museen, Ausstellungshallen, Kunstgalerien, Theater und Konzertsäle offen. Das Heimatkundemuseum beherbergt wertvolle Sammlungen zur Archäologie und Ethnographie der indigenen Völker des Altai (Altaier, Teleuten und Telengiten) sowie ein großes Modell des Silberveredelungskomplexes von Demidov. Weiterhin gibt in der Stadt zahlreiche kleine, aber originelle Museen mit eigener Atmosphäre und Identität. Das Touristenzentrum "Gornaja Apteka" (Bergapotheke) befindet sich in einem sorgfältig restaurierten Gebäude, das als "Haus mit dem Mezzanin" bekannt ist. Seine Wände sind seit seiner Gründung vor 280 Jahren (älteste Apotheke Sibiriens) mit dem Geruch von Altai-Kräutern und Honig durchzogen. Es gab eine Zeit, in der neben der Herstellung von Medikamenten aus heimischen Kräutern auch Seife, Parfüm, Süßigkeiten und sogar Feuerwerk hergestellt wurden. Diese Apotheke war eine der besten in der ganzen Region. Hier ist nicht nur die Atmosphäre einer alten Apotheke - alte Kasse, Schränke und ein Labor - bewahrt, sondern auch einige ungewöhnliche Raritäten wie Waagen, kleine Flaschen, Abbildungen aus dem 19. Jahrhundert, alte Bücher und eine Pillenzubereitungsmaschine. Hier sind auch einige Altai-Balsame, Kräuterbrühe, Honig und Desserts aus Flusspferden (einem in der Gegend heimischen Laubgehölz) erhältlich.

Vor allem sind die Barnauler auf den Erfinder der weltweit ersten Dampfkraftmaschine Iwan Polsunow stolz. Das Altaier Heimatkundemuseum beherbergt die "Feuerspeiende Maschine", wie sein Meisterstück oft behutsam genannt wird. Nahezu parallel mit der Entwicklung des Briten D. White schuf Barnauls Berühmtheit I. Polsunow seine Bauart einer Dampfkraftmaschine, trotzdem trug der Engländer die Siegeslorbeeren. Ihm ist es geglückt, seinen technischen Einfall direkt in den Industriewerken des "nebligen Albions" einzusetzen und somit ist White völlig zurecht als der Forscher berühmt, dessen Entdeckung die Arbeitswirksamkeit vergrößern konnte. Die Anlage von Polsunow ist angesichts des frühen Ablebenes des Tüftlers zeitnah der Vergessenheit verfallen und wurde nicht fortentwickelt.

Nicht zuletzt spiegelt sich die Stadtgeschichte in ihrem architektonischen Erscheinungsbild wider. Entlang des Flusses Barnaulka befinden sich Zeugen der Fabrikepoche wie der Demidov-Platz, Häuser und Werkstätten jener Zeit. Die Kaufmannshäuser, stark und stämmig, wie die Besitzer selbst, siedelten sich tiefer in der Stadt an. Die meisten orthodoxen Kirchen der Stadt wurden zwischen dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert erbaut.



Events

Auch zahlreiche Festivals finden in Barnaul statt. Es ist schon zu einer Tradition geworden, den Frühlingsanfang mit dem "Spring Festival of Folk Art" im Regionalzentrum zu feiern. Die internationale Museumsnacht versammelt jedes Jahr mehr und mehr Gäste. Seit 2007 findet in Barnaul das Internationale Käsefest statt, das nicht nur für den Altai, sondern auch für ganz Russland einzigartig ist.



Ein Plätzchen im Schatten der Kiefern

Vom Hochufer des Ob öffnet sich ein Blick auf die Überschwemmungsauen am rechten Ufer. In der Umgebung, rund um Barnaul, gibt es zahlreiche medizinisch-gesundheitliche Einrichtungen - Heilstätten und Sanatorien. Das Arboretum des Gartenbau-Instituts verfügt über eine beträchtliche Pflanzenvielfalt aus der ganzen Welt. Die meisten Kurorte haben selbst kleine Zoos auf ihrem Territorium, wo gefleckte Hirsche, Rehe und Bärenjungen leben, und die Eichhörnchen sowie Vögel überhaupt keine Angst vor den Menschen haben.

Eine der größten natürlichen Sehenswürdigkeiten Russlands ist der Kiefernwaldgürtel von Barnaul. Solche Wälder erstrecken sich in "Gürteln" von 5-40 Kilometern an Flüssen entlang und sind die einzigen natürlichen Oasen, in denen sich die einheimische Tierwelt aufhält. Der Kiefernwaldgürtel ist Teil des Jegorjewski-Reservats und das Laub seiner Kiefern, Eichen, Weiden, Pappeln und Zitterpappeln schützt den Altai vor den Staubstürmen, welche von Kasachstan und Zentralasien nach Sibirien kommen.

Der Waldgürtel ist 550 Kilometer lang und erstreckt sich vom Ob-Fluss in Barnaul bis zum Irtysch-Fluss in Semipalatinsk im Nordosten Kasachstans (3.347 Kilometer von Moskau). Es gibt zahlreiche Erholungsmöglichkeiten, Kurorte und Sommerlager für Kinder, daher ist es nicht verwunderlich, dass Einheimische und Besucher gerne Zeit in diesen ruhigen Wäldern verbringen. Im Winter sind Skifahren und Eisangeln besonders beliebt, es gibt hier eine 25 Kilometer lange Skipiste, die sich in der warmen Jahreszeit in einen Rad- und Wanderweg verwandelt.