Einer der interessantesten Flüsse im Altai ist der Tschuja. Und die Tschujsker Gletscher verdanken ihren Namen vor allem der Tatsache, dass diese in den Altai-Bergen nur dem Kamm von Katun größenmäßig unterlegen sind. Die von den Dichtern Schischkow und Schukschin beschworene Tschujsker-Straße ist im ganzen Land ein Begriff. Dank der "Tschuja-Rallye" ist der Fluss weltberühmt geworden.


Die beliebten und bereits berühmten Rafting-Wettbewerbe fanden erstmalig im Mai 1978 statt, als man an der Wildwasserbahn "Burewestnik" zum ersten Mal Schlauchboot-Fahrten den Besuchern anbot, allerdings eben nicht auf den gewöhnlichen Raftingbooten, aber auf den Autoschläuchen. Die Altai-Rafter würden zu dieser Zeit kaum geglaubt haben, den Beginn des internationalen Wassersportwettkampfes eingeläutet zu haben. Doch das ist Fakt: 1989 fanden die allerersten Weltweiten Floßwettkämpfe statt, mit Wettkämpfern aus Deutschland, Großbritannien, Kanada, den USA, Italien, Frankreich, Nepal, Simbabwe, Australien, Neuseeland, Costa Rica, Tschechien, Indien, Sambia und Polen.

Seit damals, als dieser Wettkampf zum ersten Mal so erfolgreich verlief, erfreut sich dieser Freizeitsport immer größerer Beliebtheit. Der zweite Weltcup fand 1990 in den USA statt, der dritte 1992 in Costa Rica, der vierte im Folgejahr in der Türkei.

Jedes Jahr werden Anfang Mai Tausende von Raftsportlern erwartet. Die Rallye beginnt heutzutage an der "Begemot"-Stromschnelle, welche via der Bundesstrasse M-52, der Tchujsker-Strasse auf dem 626-Kilometer zu erreichen ist. Bereits im Mai sind die Gebirgshänge mit rosaroten Pflanzen bedeckt, aber die Bergspitzen sind immer noch verschneit und der Tschuja ist reich an Tauwasser. Der Schwierigkeitsgrad von Wasserhindernissen bemisst sich anhand eines sechsstufigen Verfahrens, das hier die vierte bis fünfte Kategorie abdeckt; mittels Raftingbooten, Katamaranen, Kajaks sowie mit erstaunlichen Selbstbauten wird entlang der Ströme gewildert.


Inzwischen hat die Rallye den Rang von einem international renommierten Wettbewerb, der in Fachbüchern auf der ganzen Welt aufgeführt wird. So findet sich in Jeff Bennets Buch "The complete Whitewater rafter" das Kapitel "Der russische Einfluss". Zu Ehren der Gewinner des Altaier-Raftings kommentiert Bennett:

"1989 öffnete Russland die Pforten zu den weltweit beliebten Wassersportwettbewerben "Tschuja Rally". Auf dem sibirischen Fluss trafen sich Teilnehmer aus allen Teilen der Welt zu diesem Wettstreit, bei dem sie zwei- und viersitzige Boote mit teils eigenwilligen Eigenbauten sahen. Geübte Rafter zeigten dem Publikum schier unglaubliche Wendigkeit und Ruderfähigkeit."

Der Amerikaner Jib Ellison schildert in seinem Lehrwerk "The Basic Essentials of Rafting" die Tschuja-Rally als Modell für eine Extremsport-WM und beschreibt die Eigenheiten der Raftingboote der Altaier Wassersportliebhaber:

"Eine Tour zu arrangieren heisst, sich für die Allgemeinheit einzusetzen. Deshalb bemühen wir uns, mit den angebotenen Programmen einen gelungenen und gut gestimmten Ferienurlaub zu ermöglichen. Denn wer mehr Freude an der Sache hat, findet in unserer Leistung Anerkennung und bereichert das Angebot von Jahr zu Jahr mit neuartigen Impulsen."

Der Wohlstand reicht nicht aus, ob es nun um Kostbarkeiten, Bodenschätze oder die Veranstaltung individueller Touren geht: diese gilt es auch professionell zu beherrschen. Im Altai zählt der Aktiv-Tourismus zu den wichtigsten Angeboten; zahlreiche Reiseveranstalter setzen bereits auf diese Art von Urlaub.

Unbestritten ist bei den Altai-Urlaubern also das Rafting, genauer genommen das Rafting auf dem mittleren Katun. Der Mythos des Flusses zieht auch jene an, wer den Katun vorher gesehen hat: Schon der Satz "Wir machen einen Rafting-Trip auf dem Katun" reicht aus, um potentielle Interessenten anzuziehen. Diverse Tourenangebote sind wie ein Erkennungszeichen eines ernst zu nehmenden Reiseveranstalters. In der Regel findet man ca. 10 Raftingtouren, wobei man sein Können in den schaumigen Strömungen der Katun erproben kann.

"Noch eine andere Stromschnelle namens Teldekpen, eine herrliche Schlucht mit hohen Klippen. Wir überquerten es ohne Mühe, aber das Boot war recht überflutet. Jegliche gefährlichen Sandbänke sind komplett aus den Augen verloren: Wir haben' s gemacht, jetzt aber können wir's. Natürlich schaue ich weiterhin ehrfürchtig den Meistern des Raftings entgegen; für einige von ihnen steht die Überwindung der Mabasch-Stromschnellen im Vordergrund, andererseits ist es eine Erfahrung, einfach in einem Raftingboot dabei zu sein! Man fährt heim und bringt Wissen über sich selbst, seine Partner und sein Umfeld mit nach Hause. Und nun gehören wir zu den Aufgeklärten."Erinnerungen aus dem Tagebuch eines Floßurlaubers im Altai

Nebst dem Katun gehört der berühmte Tschuja-Fluss zum Altai. Außerdem durchfließt der Untere Tschulyschman mit Zuflüssen den romantisch-schönen Ostaltai. Hier findet man auch viele andere Wasserläufe, die für Rafting nicht weniger attraktiv sind, denn die Auswahl ist schlichtweg enorm!

„Wir reisen wie durch ein russisches Märchen: zauberhafte Blumenwiesen, hie und da ein einsam stehender Baum, nicht weit entfernt liegen die Berge und der Wald. Die Menschen sehen in die Welt hinaus Plötzlich huscht ein grauer Wolf vorbei; Prinz Corwin von Amber könnte hier vorbeireiten. Der Morgen war nebelig. Wir mussten unsere Armee-Regenmantel überziehen. So nähern wir uns im Gänsemarsch dem Gebirgspass. Die Kiefer löste die Lärche ab; bei der sibirischen Kiefer wachsen 5 Nadeln aus einer Zelle. Darum sind sie so buschig!"Aus dem Tagebuch eines Rafting-Urlaubers im Altai

Das Adrenalin fließt während eines gewagten Fahrmanövers quer durch den Körper und gerade deshalb scharen sich viele Freizeitsportler zum Rafting. Jedes Jahr kommen etwa 10.000 Gäste zu den weiß verschäumten Flussarmen im Altai, welche mit unterschiedlichen Schwerpunkten zu diesem Abenteuer beitragen. Es ist die Herausforderung für die Beteiligten eines Aktivurlaubes, das Beste aus sich herauszuholen. Für den Ausbilder (und überhaupt der Reiseleiter) ist es die eigentliche Arbeit, die durch die perfekte Technik, die richtige Reisevorbereitung und die verlässliche Überwachung von Stromschnellen sichergestellt wird. Vor allem aber die Professionalität und das Wissen der Ausrichter.

Das ist ohne Überspitzung ein einzigartiges Angebot im Altai: Nirgendwo sonst gibt es derart gute Rafter, ob jung oder alt, welche in der Tourismusbranche aktiv sind. Die Wassersportlehrer-Teams beteiligen sich jährlich sowohl auf lokaler als auch auf nationaler und internationaler Ebene an Wettkämpfen und glänzen dort mit ausgezeichneten Ergebnissen. In jedem guten Touristikunternehmen, das Aktivreisen veranstaltet, kann nahezu jeder Beschäftigte, angefangen vom Geschäftsführer bis hin zur Sekretärin, bei Bedarf elegante Office-Kleidung mit sportlichen Outfits ersetzen und die Urlauber als Reiseleiter durch die Gegend lotsen.

Das Flößen auf den Flüssen im Altai ist für die meisten Besucher im Laufe der vergangenen Dekaden besonders populär geworden. Raften auf dem Mittel-Katun, dem Hauptfluß des Altai-Gebirges, ist die wohl beliebteste Sportart in Russland. An den Gebirgsflüssen wird der Urlauber unter fachkundiger Anleitung von geübten Rafting-Guides geführt und die "Tschuja-Rallye" bietet auch ein sehr geeignetes Rafting-Training für die kommende Ferienzeit. Das ist ein faszinierendes Erlebnis, welches Jahr für Jahr unzählige Wassersportbegeisterte an den felsigen Ufern anzieht.

Erprobte Rafter, die Gebirgsflüsse auf unterschiedlichen Erdteilen bezwungen hatten, halten es für Ehrensache, hier mitzumachen. Die filigrane Wassersporttechnik wird hier mit einer ungeheuren Bandbreite an Raftingbooten kombiniert, erst hier werden komplexe Hürden zu einem romantischen Abenteuer für jeden Wassersportler, nur hier erlebt man das ganz besondere Feeling, sich in eine "Gemeinschaft" einleben zu können und hat die einmalige Gelegenheit, die fast unversehrte Altai-Natur zu erleben.

Die umgebenden großen Gebirge schauen unspektakulär auf die Raftingboote und Kajaks, die durch den weiß geschäumten Tschuja schlüpfen, welche Sinnbilder unserer Fähigkeiten sind, die wahrscheinlich nach wie vor einen hohen Stellenwert haben werden.