Jetzt eine schöne Schale Kumys, ein leckeres Stück Fleischschnitzel, das denkt sicher so mancher Wanderer auf seiner Tour durch die grünen Sajangebirge oder dunkle Taigawälder... Wer läuft, hat Durst und Hunger. Wer schlemmen will, freut sich über feine, hiesige Spezialitäten - denn hier findet man sämtliche Gerichte der russischen Küche. Alles zu packen ist anstrengend. Nützlicher wäre eine Gelegenheit, einheimische Köstlichkeiten direkt am Wanderweg zu bekommen.
Hier isst man gerne, und vorrangig gut. Hier bekommt man sowohl Fleisch als auch Fisch. Die Speisen werden immer wieder mit örtlichen Gemüsesorten als Zugabe aufgetischt, zum Schluß bietet man Tee - auf russische Art fertig gemacht



Vorspeisen

Diverse Vorspeisen sind eine sinnenfreudige Inspiration für den optimalen Start ins Menü. Es werden hier vertraute sibirische Vorspeisen serviert: gesalzener Bärenknoblauch, getrockneter oder gesalzener Fisch, gesalzene Herbstlinge und Milchlinge, Gurken und Tomaten konserviert oder in eigenem Saft, marinierte Butterpilze, Rostpreiselbeere und Rostmoosbeere wie auch eingelegte Taigabeeren. Preiselbeersaft und Mors werden bevorzugt. Einheimische vitaminreiche Gewürze wie Mangir-Zwiebel, Bärenknoblauch, Farn Orlyak, Lilien-Wurzel werden zu Fleisch und Fisch benutzt. Dank aufmunternden, spitzigen Knoblauchgeruch, steht öfter der Bärenknoblauch zur Anwendung. Die Farn ist auch in China, Korea und Japan wertgeschätzt.

Als "pikantnij sir" (würziger Käse) genannt, ist dies eine andere beliebte Vorspeise in Sibirien und dem Fernen Osten Russlands. In Restaurants wird er in der Regel als Füllung für reife Tomaten oder als Brotaufstrich für russisches Brot mit zäher Textur serviert. Die Kombination von Käsesorten, die in diesem Rezept verwendet werden, entspricht dem Geschmack des Käses, der in asiatischem Russland verwendet wird. Viel Knoblauch sorgt für eine Anregung. Auch Cayennepfeffer kann zugegeben werden, um den Käse noch heißer zu machen. Alle Zutaten werden durch einen Fleischwolf gemahlen - den Käse kann man auch von Hand zerkleinern oder sogar eine Küchenmaschine benutzen.


Sibirische Küchentradition

Nicht zulezt fährt man nach Sibirien, um originelle feinschmeckerische Eindrucke zu bekommen. Lange wurden hier unterschiedliche Geschmacksrichtungen und Gepflogenheiten vermischt. Die Umsiedler aus Zentralrussland brachten in raue Klimabedingungen eigene Kochkunst und bereicherten diese an den Spezialitäten von Tungussen, Burjaten und übrigen einheimischen Völker. Seit eh und je waren die diese mit Viehhaltung, Fischerei und Jagd beschäftigt. Der wesentliche Unterschied zu der Küche anderer Landschaften Russlands ist, dass sibirische Küche Wildfleisch, Fisch und eigentümliche Taigawürze verbindet.

Zum Wesentlichen Bestandteil sibirischer Küche gehört Fleisch und Fleischprodukte. Der leckere Fleisch wird gekocht, geschmort, getrocknet und geräuchert, sowohl im Herd oder Backofen als auch direkt am Feuer. Der Gaumenkitzel ist köstliche Fleischschnitzel, die feinsten Gefrierfleisch-Stückchen mit Pfeffer und Salz. Insbesondere sind burjatische Fleischgerichte bekannt, die getreu einem Rezept und der Gastlichkeit entsprechend gekocht werden... mmmm der zergeht auf der Zunge.

Die weitverbreitete Spezialität in Sibirier ist Pelmeni, eine Art Ravioli gefüllt mit einer Fleischmischung. Sie sind zwar bei verschiedenen Völker verbreitet, einen Unterschied machen aber unterschiedliche Füllungen, Form und Große. Im Gegensatz zu anderen Pelmeni werden sibirische Pelmeni vor dem Kochen eingefroren. Pelmeni bleiben in dann in einer Tiefkühllagerung aufbewahrt. Zögern Sie nicht auch mit Fleisch gefüllten Piroschki (kleine Teigröllchen) zu genießen.


Fischgerichte aller Art

Seit jeher ernähren sich verschiedene Völker Sibiriens, deren Nomadenleben traditionell auf Rentierzucht, Jagd und Fischfang basierte, hauptsächlich von Fleisch und Fisch. In der einheimischen Küche erhält jeder anspruchsvolle Gourmet Fisch auf verschiedene Arten zubereitet: gebraten, gedampft, abgekocht, gefüllt, geschmort, in saurer Sahne gebacken, in Gelee, im Wind und der Sonne getrocknet oder im Offen gebraten. Bekannteste Fischspezialität ist der leicht gesalzener Omul, dessen Wohlgeschmack russlandweit bekannt ist.

Was die Zubereitung von Delikatessen wie Yukola (getrockneter Fisch) angeht, so ist es heutzutage für einen Stadtbewohner schwierig, da die Zubereitungsmethoden für Gerichte etwas kompliziert sind. Trotzdem kann ein jakutischer Fischgericht, das so genannte Suguday, noch zu Hause zubereitet werden und die Mühe lohnt sich.
Suguday ist ein roher Weißfisch, der ausgeschlachtet und in Scheiben geschnitten wird. Es wurde von den Ureinwohnern nicht einmal gesalzen, da das Salz erst später von russischen Kaufleuten in die nördlichen Regionen gebracht wurde. Der Salz war ein ziemlich teures Gut, so dass nicht jede Familie es sich leisten konnte. Die einzigen verwendeten Gewürze waren wilde Zwiebeln, die am Ufer von Flüssen oder kleinen Seen wuchsen.

Zu erwähnen wäre da noch die Ucha-Fischsuppe ((russisch: Уха). Diese Suppe wurde von Iwan dem Schrecklichen hoch gelobt - der nicht leicht zufrieden zu stellen war.
Es ist eine klare Suppe, hergestellt aus verschiedenen Fischarten wie Omul, Stör oder Lachs. Sie enthält in der Regel Wurzelgemüse, Petersilienwurzel, Lauch, Kartoffeln, Lorbeer, Dill, Estragon und grüne Petersilie und wird mit schwarzem Pfeffer, Safran, Muskatnuss und Fenchelsamen gewürzt.
Die Einheimischen fügen beim Kochen typisch-sibirische Kräuter und Pflanzen in sie bei. Traditionell wird Ucha mit einheimischem sibirischen Schwarzbrot, frischem Dill und Zitrone serviert.


Pfannkuchen

Einen Pfannkuchen backt man hier gern. Der Natur nach sind die Bliny eine weiche poröse Substanz, die bereit ist den Geschmack um sich herum aufzunehmen und ihn vollständig in das eigene Wesen zu integrieren. Diese dünnen Bliny können mit allem gegessen werden - gefüllt mit Fleisch, Fisch sowie Gemüse und Beeren. Im Besonderen sind Pfannkuchen als Vorgericht begehrt (angefüllt mit Pilzen, Sauerampfer, oder Fisch) und süße Pfannkuchen (mit Preiselbeere, Kirschbeere, mit Fruchten).


Milchgetränke

Die wichtigste Wohlstandsform früherer Nomadenvölker hier war ein Pferd. Pferde wurden für Transport, Nahrung und Milchgetränke verwendet. Die fettige Pferdewurst Kazy (Qazi) wird den Gästen zusammen mit der diätetischer Stutenmilch Kumys in jedem Haus serviert.
Dieses Getränk kann man überall kaufen, aber es verdirbt schnell. Deshalb sollte man es frisch von einer Stute auf speziellen Bauernhöfen kaufen. Fragen Sie Einheimische - vor Ort. Stuten werden in der Regel fünfmal täglich gemolken, drängen aber nicht auf eine Melkzeit. Um es zu kaufen, muss die Kumis erst mit der Gärung beginnen. Vorerst wird zu frischer Milch alte Kumis hinzugegeben, um die Gärung anzufangen. Dann wird alles vermischt und einen ganzen Tag lang geschüttelt. Dieses Getränk war sehr geeignet nomadische Lebensweise: Reiter steckten ein Glas in ihre Sättel und Kumis wurde auf einer galoppierenden Pferdekuppe stundenlang hintereinander gemischt und geschüttelt.
Ansonsten sind herkömmliche Milchspeisen gängig: sauerer und ungesäuerter Käse, Quark, Sauer- und Gefriermilch, den Durst gelöschter Arsa.


Zeitgenössische Kochkunst übernahm die traditionsreiche Jäger-Sammler-Küche der beheimateten sibirischen Steppenbewohner. Die Bekanntschaft mit facettenreichen, von mehreren Generationen angeschmeckten kulinarischen Köstlichkeiten soll bei der Planung Ihres Reiseprogramms ein obligatorischer Punkt werden!